Das Buch - Lädchen
 

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Das Buch-Lädchen

 Leseprobe Krimi 4

Fall 7: tot unter dem Christbaum, Kommissar Jacke stresst Weihnachten

Fall 8: Brisante Geschäfte  Kommissar Jacke in der Karibik

 

 ©Alle Rechte vorbehalten Sabine Heilmann 2017

 

Die folgenden Geschichten sind frei erfunden. Zufällige Übereinstimmungen mit den Namen von realen Personen sind nicht beabsichtigt.

 

Inhalt des siebten Falles: 1. Ein neuer Fall? 2. Das Treffen  3. Erklärungsnot  4. Der Verdacht  5. Winterliche Freuden  6. Eltern      7. Das Wagnis  8. Vergangenheit versus Zukunft  9. Gegenwart      10. Die Party

 

 1. Ein neuer Fall? Sie war wieder da! Endlich! Hauptkommissar Manfred Jacke war heilfroh und es wurde ihm warm ums Herz, dass seine Karin wohlbehalten wieder in der Stadt eingetroffen war. Nach dem schwierigen Novemberfall hatte er die Nase voll von seinen innerlichen Ausflüchten und dem Zickzackkurs, den er nach ihrer Trennung für Jahre eingeschlagen hatte. Daher traute er sich nun, sie ‚seine‘ Karin zu nennen. Wenigstens vor sich selbst. Nach außen hin waren sie nach wie vor geschieden, hielten wenig Kontakt miteinander und während der dienstlichen Auslandsreise schwieg das Telefon einvernehmlich. Freiraum musste sein und beide hielten sich daran. Bei dem Psychologen Dr. Mannlig, der auch für die Polizei tätig war und den er seit dem Novemberfall regelmäßig besuchte, brachte er das Thema auch schon aufs Tapet. Im Laufe einiger Gespräche war ihm so manches klarer geworden. Der tragische Todesfall im November hatte ihn überdeutlich darauf hingewiesen, dass er nicht nur seine Wohnung immer einmal wieder ausmisten, sondern auch innerlich aufräumen musste. Nun freute er sich mittlerweile auf die zweimal pro Woche angesetzten Termine, die jedes Mal eine Dreiviertelstunde dauerten. Danach fühlte er sich seltsamerweise zwar befreit, gleichwohl ging ihm viel Vergangenes durch den Kopf. Da er sich dann für eine Weile kaum auf andere Dinge zu konzentrieren vermochte, nahm er sich direkt in Folge der Termine ausreichend Zeit zum Gedankenwälzen. Der Effekt entpuppte sich als bemerkenswert. Innerlich viel ruhiger geworden, hatte er nicht dauernd das Gefühl, die Zeit liefe ihm davon oder er müsse effektiver sein. ‚Ergebnisorientiert‘ hieß ja das Modewort und es ‚kotzte‘ ihn nun buchstäblich an.
Mit seinem jüngeren Kollegen konnte er das nicht gut besprechen, obwohl dieser sehr offen war für sein Alter. Diese fünfzehn Jahre Unterschied waren aber entscheidend. Jürgen Feldkamp hatte sich Anfang Dezember tatsächlich das erste Mal verlobt und schwebte zur Zeit wie auf Wolken. Da hatte er selbstredend für tieferes In-sich-Gehen und Ausmisten nicht sehr viel übrig. Aber Jacke - nun knapp Fünfzig - spürte, dass er sich freiwillig umstellen musste, damit das Leben es nicht weiterhin für ihn tat. Er sparte sich also das Erörtern seiner Probleme mit Jürgen von vorneherein und hegte lieber freudig Anteil an dessen Hochzeitsplänen. Jürgen gedachte, im Einvernehmen mit Nadine, noch ein halbes Jahr zu warten, um dann im Juni zu heiraten. Beide erlebte Jacke naturgemäß als sehr aufgeregt, da es für sie die erste ernsthafte Beziehung darstellte. Sie suchten sich jetzt erst einmal eine passende Wohnung und Jürgen kam jeden Morgen mit den neusten Informationen darüber zur Bürotür herein. Sein Chef dagegen hielt zur Zeit gar nichts von Stress oder Zukunftsplänen. Er wollte endlich einmal alles in Ruhe und etwas langsamer angehen dürfen. Als ob die Kriminellen der Stadt dies spürten, gestaltete sich die Lage für das Morddezernat zur Zeit ebenfalls sehr ruhig. So ruhig, dass einige ältere, unaufgeklärte Fälle noch einmal bearbeitet werden sollten. Jackes Chef erinnerte ihn besonders an einen schwierigen Fall vor mittlerweile fünf Jahren, der die Bürger der Stadt damals ordentlich beeindruckte und in Atem hielt. Ein Junge war mit seinem Freund auf einem Abenteuerspielplatz gewesen und danach nicht mehr nach Hause gekommen. Der Freund wurde bewusstlos auf einem Holzaufbau des Spielplatzes gefunden. Er konnte sich im Nachhinein an nichts mehr erinnern. Wochenlang wurden unzählige Spuren verfolgt. Die lokale Presse versprach schließlich horrende Belohnungen für glaubwürdige Hinweise, während die Eltern den Entführer anflehten, ihr Kind frei zu lassen. Aber all das führte damals zu keinem Ergebnis. Sämtliche Spuren, deren man habhaft werden konnte, verliefen letztlich im Sand. Natürlich wurde auch das infrage kommende Umfeld mit Spürhunden gründlichst abgesucht. Die hatten zwar schließlich eine Spur ausgeschnüffelt, sie verlor sich aber seltsamerweise auf einer Wiese - unmittelbar neben der Autobahn. Sogar ein nationaler Aufruf nach Zeugen für eine eventuelle Verschleppung an diesem Autobahnabschnitt hatte nichts gebracht. Damals waren Kommissar Jacke und die vielköpfige Sonderkommission nach Monaten immer noch ratlos und ziemlich frustriert. Die Akte wurde schließlich geschlossen. Man konnte nur hoffen, dass der Junge noch am Leben war, da man bis jetzt keine Leiche gefunden hatte. Nun saß Jacke an seinem Schreibtisch, aufs Neue diese Akte in den Händen und mit Déjà vus beschlagen. Eine Weile starrte er auf den geschlossenen Ordner von kräftigem Umfang und seufzte. Das war nun gerade nicht eben das, was ihm jetzt vorschwebte. Dann zwang er sich, den Deckel umzuschlagen und sah sich dem Foto des verschwundenen Jungen gegenüber. Sogleich verspürte er einen starken Sog in diese Geschichte hinein. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem nachzugeben. Das Bild zeigte einen Jungen von elf Jahren: Martin Hansen. Schwarzhaarig und blauäugig, war er eher klein und schmächtig für sein Alter, ging ohne weiteres auch noch für neun Jahre durch. Das war ihm höchstwahrscheinlich zum Verhängnis geworden. Die Eltern: Maren und Klaus Hansen, beide durchschnittliche Arbeitnehmer in den Dreißigern. Man hatte sie immer wieder vorgeladen, befragt - bis zur Erschöpfung hin gelöchert. Man musste ja unbedingt ausschließen, dass sie etwas mit dem Verschwinden zu tun hatten. ....

 

 

 Der 8. Fall besitzt 17 Kapitel, von 1-17 nummeriert

- 1 - Der Ständer war aus feinem Tropenholz geschnitzt, besaß astgleich anmutende Arme, welche in alle Richtungen und Höhen vom Stamm abzweigten und an denen man Jacken oder Mäntel aufhängen konnte. Der Stamm war nicht ganz gerade, es fand sich im untersten Bereich aber sogar ein Haltekranz für Schirme und darunter eine Platte zum Absetzen derselben. Den Boden erreichte der Stamm im Zentrum, unterstützt von noch fünf weiteren kurzen Holzbeinen, die von unten her in den Plattenrand verschraubt waren. Nur so konnte der enorme Umfang der Arme samt anhängiger Kleidungsstücke gehalten werden. Es handelte sich ohne Zweifel eher um ein einzigartiges Kunstobjekt, denn um einen gewöhnlichen und funktionellen Garderobenständer. Das fand jedenfalls Hauptkommissar Manfred Jacke, der - gemütlich zurückgelehnt an einem der zahlreichen Holztische sitzend - bereits eine Weile dieses Kunstwerk eines Garderobenständers bestaunte. Da er im Moment viel Zeit hatte - er befand sich im Urlaub - freute er sich über das Entdeckte und erging sich genüsslich im Betrachten aller Einzelheiten. Den Durchmesser des oberen Ständers schätzte er auf mehr als einen Meter. Der fast ebenso große, altertümliche Ventilator in der Mitte der hohen Decke des Lokals platziert, drehte sich unermüdlich und verschaffte allen Gästen eine angenehme Temperatur. Außerhalb dieser geschützten Zone herrschte zur Zeit eine eher feuchte Hitze - so etwa dreißig Grad. Noch war Manfred Jacke nicht genügend akklimatisiert. Seit drei Tagen logierten sie nun hier auf der Insel Curaçao. Es war Karins Wunsch gewesen, während Jacke nun noch versuchte, sich mit der Karibikinsel anzufreunden.
Diese, den niederländischen Antillen angehörige, etwa 444 km² große Insel war anscheinend für Europäer im Allgemeinen sehr angenehm zu erleben, deshalb hatten sie sich entschlossen, ihren Urlaub gemeinsam hier zu verbringen. Dennoch hatte es vor ihrem Eintreffen im Februar aus unerfindlichen Gründen sehr viel geregnet. Dies war - den Einheimischen nach - eher ungewöhnlich in solcher Menge. Dadurch wirkte die Landschaft zwar sehr schön grün, aber auch dunstig feucht. Zu feucht für Manfred Jacke, der sich, so oft er konnte, in die klimatisierten Räume flüchtete.
Währenddessen ließ sich seine Angebetete am Strand mit einem Buch nieder. Sie hatte offensichtlich keine Probleme mit dem Wetter. Zum Glück konnten sie nun einander - nach Scheidung und fünfjähriger Trennung - den nötigen Freiraum gewähren, der während ihrer Ehezeit nicht möglich schien. Beide genossen diese neue Art der Bezugnahme aufeinander. Alles war vorstellbar. Eine erneute Heirat hatten sie allerdings einvernehmlich sofort vom Tisch gefegt und so hieß der Lösungssatz jetzt: ‚Freiheit mit Beziehung, Beziehung mit Freiheit‘. Für Manfred Jacke bedeutete es auch, dass er auf eigene Entdeckungstour gehen konnte. Die schönsten Plätze der Insel würde er dann Karin zeigen, wenn bei ihr die Erholung am Strand fruchtete. Da noch mehr als zwei Wochen Zeit dafür blieb, ließen sie beide es erst einmal ganz langsam angehen.
Jacke bestellte erneut einen Espresso und ein Wasser und vertiefte sich weiter in seinen Lesestoff über das zu erobernde Gebiet und die stark gemischte Kultur der Insulaner. Von den Ureinwohnern, den ‚Arawak Indianern‘ hörte er jedenfalls zum ersten Mal. Ansonsten konnten sich angeblich inzwischen etwa fünfundfünfzig Nationalitäten in der Hauptstadt Willemstad begegnen, in der er sich dieses Lokal an der Promenade ausgesucht hatte. Er warf einen Blick durch das Fenster auf die, unter Sonnenschirmen sitzenden und sich räkelnden Touristen. Sie waren offensichtlich bereits richtig angekommen. Bei ihm dauerte es eben ein wenig länger. Ab Morgen wollte er auch dort draußen seinen Espresso genießen, nahm er sich jetzt fest vor. Im Hintergrund der Menschen glitzerte ein ruhiges Wasserwellenszenario, das zu einer Spritztour per Schnellboot einlud. Mehrere waren auch schon unterwegs.
Gerade betrat ein Mann das Lokal, der durch seine Erscheinung die Aufmerksamkeit sofort auf sich zog.

Er war in einen cremefarbenen Sommeranzug gehüllt, welcher auch schon bessere Tage gesehen hatte: zerknittert, fleckig, der Kragen und die Ellenbogen schmutzig verdunkelt. Der stark gebräunte Mann mit schwarz gelocktem Haar machte einen sehr verschwitzen Eindruck, blickte sich erst nervös um und entschloss sich dann, sein Jackett an den Ständer neben der Tür zu hängen. Sorgfältig wählte er dazu einen der hinteren, zur Wand gewendeten Arme. Dann setzte sich der Mann an den nächsten freien Tisch. Er bestellte das Gleiche wie Jacke und holte danach einen zerknitterten Umschlag mit Tabak aus der ausgebeulten Hosentasche. Mit fahrigen Händen begann er, eine Zigarette zu drehen. Zwischendurch beäugte er nervös seine Umgebung sowie das unweit hängende Kleidungsstück. Bei seinem inzwischen interessierten Beobachter fingen die Gehirnwindungen an, wach zu werden. Dieser Mann hatte ohne Zweifel etwas zu verbergen. Das vermochte auch ein Laie zu erkennen, aber bei ihm - dem Hauptkommissar - löste es den üblichen Alarm aus. Er war überaus neugierig, wie diese ‚Geschichte‘, die noch keine richtige darstellte, sich weiter spinnen würde. Der Mann im fleckigen weißen Hemd schien sich einige Sekunden später endlich auch ein wenig zu entspannen, allerdings schrak er immer auf, wenn jemand das Lokal betrat. Für Jacke hatte es den Anschein, dass er sich verfolgt fühlte. Seltsam war zudem, dass insgeheim noch zwei andere Männer sehr an ihm interessiert waren und ihn beobachteten. Sie waren zwei ....

Diese Leseprobe bezieht sich auf eine vorhergehende Ausgabe und kann eventuell einige aktuell veränderte Textstellen beinhalten oder auch Rechtschreibfehler. Die Aussage des Inhalts entspricht aber der neusten Buchausgabe!

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